Kirchen & Kapellen

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Rommerz - Geschichte

Die alte Kirche wird zu klein

Die 1865 vollendete Kirche an der Stelle des heutigen Bushalteplatzes war schnell zu klein geworden. Nach dem 1. Weltkrieg trug man sich mit dem Gedanken einer Erweiterung und begann, dafür Geld zu sammeln. 


Die treibende Kraft war Pfarrer Andreas Führ, der im Jahre 1921 in die 1920 neu errichtete Pfarrei Rommerz gekommen war. Zusammen mit ihm trugen die Herren des Kirchenvorstandes die Last der Verantwortung und haben auch tatkräftig mitgeholfen. An erster Stelle ist der stellvertretende Vorsitzende Eduard Kreß (Lukase) zu nennen. "Ohne ihn und den damaligen Bürgermeister Franz Josef Heil wäre der Kirchenbau nicht zustande gekommen!" hat Pfarrer Führ später oft geäußert.

Alte Kirche Rommerz

In einer Sitzung vom 3. Mai 1925 wurde die Bildung einer Kirchbau-Kommission beschlossen, für die vom Kirchen-vorstand Eduard und Damian Kreß bestellt wurden.


Der bekannte Fuldaer Architekt und Kirchenbauer Hermann Mahr wurde um eine Skizze für die Erweiterung der alten Kirche gebeten. Er plante u.a. die Kirchen von Kerzell, Lütter, Kleinlüder, Schweben, Buchenrod, Döngesmühle, Traisbach, Bachrain, Bronnzell und Hainzell.


Es gelang aber nicht, das Gelände neben der alten Kirche zu erhalten, was aus heutiger Sicht nur von Vorteil war.

Auch über Gelände von Leo Hartmann (Schnause) und Eduard Kress (Lukase) - unterhalb der heutigen Bergstraße - wurde diskutiert. Da bot sich die günstige Gelegenheit, als der Landwirt Karl Schmitt seinem Schwager Lorenz Heurich das heutige Kirchengelände abtreten wollte. Es gelang dem Kirchenvorstand, das heutige Grundstück (32 Ar) von Lorenz Heurich zu erwerben, der im Austausch ein von August Weber der Kirchengemeinde für 3800 Reichsmark verkauftes Grundstück an der Hauswurzer Straße erhielt. Weitere 10 Ar für den Bau eines späteren Pfarrhauses schenkte Karl Schmitt dazu.


Die Frage der Finanzierung

Da die Gemeinde sehr arm war und nach Stilllegung des Kalischachtes zahlreiche Männer arbeitslos waren, konnte sie den Kirchenbau nicht selbst finanzieren. Auch vom Bischöflichen Generalvikariat oder Landkreis war kaum Hilfe zu erwarten. So startete man in den Jahren 1926 bis 1928 eine Sammelaktion im Bistum Fulda, vor allem im Fuldaer Land, in Oberhessen und im Freigericht. Als Sammler waren etliche Männer aus Rommerz unterwegs.

Das Grundstück der heutigen Kirche 
Das Grundstück der heutigen Kirche

Pfarrer Führ wandte sich in Tausenden von Bittbriefen an holländische Katholiken und an seine Kartellbrüder in der Studentenverbindung CV, die Rommerzer Lehrer Joseph Schmitt und Aloys Gollnik an die Kollegen im Kath. Lehrer- und Lehrerinnenverband. So wurden insgesamt etwa 80.000 Reichsmark gesammelt.


Architekt Hermann Mahr wurde mit der Planung einer neuen Kirche beauftragt. Außerdem holte man Pläne der Frankfurter Architekten Weber und Rummel ein, die anfänglich favorisiert wurden, aber doch zu aufwändig (u.a. dreischiffig) waren. Auch der Plan von Architekt Mahr wurde noch mehrfach geändert. 


Vom Forstfiskus wurde ein Steinbruch im Fliedener Wald gepachtet, wo bis Ende 1926 schon etwa 300 m³ Steine gebrochen wurden. Die schwierige Anfahrt der Steine besorgten Rommerzer Einwohner (auch Frauen) mit Pferde- und Kuhfuhrwerken komplett selbstständig.


Es geht los - der Beginn eines Großprojekts

Zum Baubeginn kam es erst nach einem feierlichen Gottesdienst am Josefstag 1928.

Die Ausschachtungsarbeiten waren bald erledigt, sodass die Betonfundamente gelegt werden konnten. Die Arbeiten erfolgten unter Leitung des Maurermeisters Ferdinand Kreß (Dorfborn).

Der Bau war überhaupt nur möglich, weil zahlreiche Arbeitslose gegen geringes Entgelt und zuweilen auch Naturalien mit Hand anlegten. Es ist für uns heute kaum noch vorstellbar, was damals im Steinbruch, bei der Anfahrt und dem Hauen der Steine sowie am Bau geleistet und an Opfern gebracht wurde. Es ist auch unmöglich, alle aufzuzählen, die am Rommerzer Kirchenbau beteiligt waren.

Grundsteinlegung 1928 
Grundsteinlegung 1928
Kirchbau in Eigenleistung 
Kirchbau in Eigenleistung
 

Bis Anfang Mai war das Mauerwerk bis zur Oberkante des Sockels fertig. Dann ging es etwas langsamer, weil nicht immer passende Steine zur Hand waren. Bis Anfang Oktober waren die Mauern bis zum Fenstergurt hochgezogen. Sie wurden abgedeckt und die Arbeiten über Winter eingestellt. Es folgte der berüchtigt strenge Winter mit bitterster Kälte im Februar 1929.

Inzwischen hatte man auch begonnen, an der Leimenkaute (heutiges Neubaugebiet) und an der Fliedener Straße (gegenüber vom alten Deutrich-Haus; Ortsausgang) Feldbrandsteine herzustellen, welche für die innere Verblendung der Kirchenmauern verwendet wurden.


Der Wunsch Pfarrer Führs nach Fertigstellung im Jahre 1929 ging leider nicht in Erfüllung.

Bis zum November wurde lediglich das Mauerwerk bis zum Dach hochgezogen und blieb dann ungeschützt liegen. Ein gesundheitlicher Zusammenbruch um Weihnachten zwang Pfarrer Führ im Juni 1930 zum Verzicht auf die Pfarrei.

 

Erster Priesterwechsel während der Bauphase

Am 1. Juli übernahm Pfarrer Joh. Julius Braun die Pfarrei Rommerz. Er war vorher Pfarrer in Marbach gewesen und hatte beim dortigen Kirchenbau Erfahrungen gesammelt. Auch konnte er finanziell aus eigenen Mitteln öfter weiterhelfen. 

Aus akustischen und finanziellen Gründen setzte er gegen Architekt Mahr und den Fuldaer Regierungsbaumeister Bornatsch statt des geplanten Gewölbes eine Holzkassettendecke durch, was damals von vielen bedauert wurde. Die Holzdecke wurde von Schreinermeister Johann Möller (Käre) mit seinem Sohn August hergestellt. Die Holzdecke im Chor schufen Zimmermann Franz Heil (Bernschnieresch) und Schreiner Anton Auth (Bernarde).


Den Dachstuhl hatte Fabian Balzer (Scheiche) zusammen mit den Brüdern Krah (Neuhof) aufgestellt. Die Firma Hau (Fulda) deckte das Dach mit ca. 18.000 Ziegeln.

Der Innenputz wurde unter Leitung von Gustav Schad (Wänesch) ausgeführt. Das Verfugen der Außenmauern besorgte Maurermeister Ferdinand Kreß. Für den Fußboden konnte Pfarrer Braun 1933 etwa 320 qm Solnhofer Platten für 3,50 DM/qm günstig erwerben. Die leicht getönten farbigen Glasfenster wurden schon 1931 für 3.000 DM durch die Firma Leinweber (Fulda) geliefert; gestiftet wurden die Fenster von zahlreichen Gemeindemitgliedern.

Innenansicht vor der ersten Renovierung - Foto: Josef Neidert 
Innenansicht vor der ersten Renovierung - Foto: Josef Neidert
Schwarz-Weiß-Aufnahme der früheren Ausmalungen (entfernt 1972) 
Schwarz-Weiß-Aufnahme der früheren Ausmalungen (entfernt 1972)
 

Für die Ausmalung hatte Pfarrer Braun große Pläne, denen die Arbeitssuche des Fuldaer Kirchenmalers Hugo Pfister entgegenkam. Schon 1932 wurden in die Nieschen der Seitenwände 2 x 3 Meter große Kreuzwegstationen in Seccotechnik gemalt. Das Geld stiftete die Pfarrhaus-hälterin Agatha Jahn (Scholzjörge). Später wurde die Chorbogenwand mit einem großen Gemälde der Heiligsten Dreifaltigkeit mit großer Hostiein der Mitte versehen. Über dem Altar war dann noch einmal Gottvater dargestellt. 


Einen großen Schnitzaltar hatte Pfarrer Braun nach seinen Angaben schon 1931 bei der Firma Adolf Vogel in Hall b. Innsbruck bestellt. Er wurde 1932 von Bildhauer Johann Colleselli und Maler Peter Pizzinini fertiggestellt, traf aber wegen Schwirigkeiten beim Zoll erst Ende 1933 ein und wurde Januar 1934 aufgrestellt.


Zweiter Priesterwechsel während der Bauphase

Inzwischen hatte auch Pfarrer Braun im Dezember 1933 aus verschiedenen Gründen auf die Pfarrei verzichtet und war in den Ruhestand nach Fulda gegangen.

Es wurden 30 Kirchenbänke in Auftrag gegeben, die je zur Hälfte von den beiden Schreinern August Möller (Käre) und Anton Auth (Bernarde) hergestellt wurden.

Am 1. März übernahm Pfarrer Roßmann die Pfarrei mit einigen tausend Mark Schulden. Sammlungen waren jetzt durch die Nationalsozialisten verboten. Bei der Sonntagskollekte kamen damals nur etwa 7 Reichsmark ein. Pfarrer Roßmann fand aber immer wieder Wohltäter, die Geld gaben oder kostenlos arbeiteten.

Zunächst wurde die um die Kirche aufgehäufte Erde weggeschafft. Einige Männer bauten kostenlos die Empore. Bildhauer Fleck lieferte für 200 RM Seitenaltäre und Kommunionbänke, die vom Fuldaer Kaufmann Wehner kostenlos nach Rommerz befördert wurden.

Die Seitenkapelle und Sakristei wurden hergerichtet. Die Firma Trabert (Fulda) legte das elektrische Licht, die Firma Schmitt (Birstein) den Blitzableiter. Zwei Beichtstühle wurden von der Firma Busch (Klein-Steinheim) hergestellt und von Pfarrer Führ und anderen Wohltätern bezahlt.

Maurermeister Josef Atzert, der den Steinbruch im Fliedener Wald übernommen hatte, lieferte die Steintreppen. Er hatte schon zu Pfarrer Brauns Zeiten zusammen mit Josef Seuffert Sandsteinplatten hergestellt, auf denen Pfarrer Braun selbst das Glaubensbekenntnis mit entsprechenden Symbolen eingehauen hatte.

Neue Kirche Rommerz

Einweihung der neuen Kirche

Am 11. November 1934 erfolgte die Weihe der neuen Kirche. Da Bischof Dr. Joseph Damian Schmitt aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen konnte, wurde sie durch Generalvikar Robert Günther lediglich benediziert. Das Allerheiligste wurde von der alten Kirche feierlich in die neue übertragen. 


Die erste Heilige Messe feierte Pfarrer i.R. Andreas Führ, der das größte Verdienst um den Kirchenbau hatte. Die feierliche Konsekration der Kirche erfolgte erst 38 Jahre später nach ihrer ersten Renovierung am 5. November 1972 durch Weihbischof Dr. Eduard Schick aus Fulda.


Im Jahre 1935 wurde noch der Turm hochgemauert, der vorher nur bis zum Dachansatz gebaut worden war. Die Arbeiten leitete der Sohn Richard von Maurermeister Ferdinand Kreß.

Das Turmdach errichtete Zimmemreister Franz Franz Heil, das Eindecken besorgte die Firma Hau (Fulda). Am 13. Juni 1936 wurde von dem Rommerzer Dachdeckergesellen Gottfried Wolf der Turmhahn aufgesetzt. Nun konnten auch die Glocken vom Dachreiter der alten Kirche in den neuen Turm umgehängt werden. Im Juli 1940 wurde noch die Holzdecke der Kirche von oben her durch einen Estrich abgedichtet. Ebenso wurden im Turm Zwischendecken eingezogen. Eine Orgel erhielt die Kirche erst im Jahre 1955.


Die Schattenseiten

Leider sind die Informationen über den Kirchenbau - auch bedingt durch den zweimaligen Priesterwechsel - in ihrer Ausführlichkeit sehr verschieden.

Auch sollte nicht verschwiegen werden, dass - bedingt durch den Architekten, durch Planänderungen und fehlende Mittel - auch manche Fehler gemacht wurden.

So sind die Außengesimse ohne Neigung, sodass Feuchtigkeit ins Mauerwerk eindrang und später Blechabdeckungen aufgebracht werden mussten. Der Kirchenraum ist unnötig hoch, was vor allem durch die flache Holzdecke anstatt des ursprünglich geplanten Rabitzgewölbes noch verstärkt wird und die Beheizung der Kirche problematisch machte (ca. 8.700 Kubikmeter Rauminhalt).

Der Chorbogen wurde von Pfarrer Braun zwecks Aufnahme von Gemälden unnötig tief heruntergezeogen und trennt den Altarraum zu stark vom Schiff. Das mit dem Kirchenschiff gleichhohe Dach des Chores ist ebenfalls ungewöhnlich. Und der Innenputz war durch Materialersparnis nicht dauerhaft und musste in den 1970er Jahren bereits wieder entfernt und ausgetauscht werden.

Was man früher nicht ahnen konnte, ist die Tatsache, dass die Kirche zu groß konzipiert ist.

Dass in unserer Zeit viele überhaupt nicht mehr zum Gottesdienst kommen, einige auch Gottesdienstangebote andere Gemeinden wahrnehmen und dass die Kinderzahl so drastisch absinken werde, konnten unsere Vorfahren nicht vorausahnen. Ihr Mut, ihr Einsatz und ihre Opferbereitschaft für ein großes und schönes Gotteshaus in Rommerz jedoch bleiben auf ewig bewundernswert!


Die alte Kirche verschwindet

Der Abriss der alten Kirche fand erst im Jahre 1963 statt - fast 30 Jahre nach Fertigstellung des neuen Gotteshauses. Die Steine wurden zum Neubau der Kirche in Fulda-Oberrode verwendet.

Auf dem Bild oben rechts ist das Gotteshaus im halb abgebrochenen Zustand zu sehen.

Links eine beeindruckende Aufnahme mit toller Perspektive: durch die Portaltür der bereits halb abgerissenen alten Kirche hindurch erblickt man den markanten Turm der neuen Kirche.

 

Quelle: Pfarrer Erwin Sturm, Festschrift zum 50-jährigen Kirchenjubiläum 1984, Fuldaer Zeitung

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